Reparatur in luftiger Höhe

Reparatur in luftiger Höhe
Industriekletterer arbeiten derzeit am Turm des Lüttringhauser Rathauses. Die Schäden sind größer als zunächst angenommen.

Der laue Wind zieht seicht durch den Turm. Fast wäre es angenehm, wenn die schwüle Wärme vom Dachstuhl nicht hinaufziehen würde. Der Aufstieg vom Rathausturm ist gerade in diesen heißen Sommertagen nicht einfach. Doch der tolle Blick von oben bei diesem klaren Wetter entschädigt für die Mühen. Für die Industriekletterer ist der Ausblick aber nur noch schönes Beiwerk. Sie müssen in luftiger Höhe nämlich arbeiten.

Schwindelfrei
Seit gut zwei Wochen ist das Team von „HCI – Hotton Climbing Industriekletterer“ aus dem Kreis Siegen nun schon mit der Sanierung des Lüttringhauser Rathausturms beschäftigt. Mindestens vier weitere werden es noch werden, wenn nicht noch mehr. Denn: Die Schäden am Turm sind größer als gedacht, erklärt Projektleiter Marc Schneider vom städtischen Gebäudemanagement der Stadt Remscheid. „Wir haben drei große Löcher entdeckt. Hier haben Vögel wohl ihr Nest gebaut“, merkt Schneider an
Die komplette obere Zwiebel musste erneuert werden, weil das Holz stark angegriffen war. So wurden die Brettverschalung, also alle Grundbretter, ausgetauscht und die Abdichtung vorgenommen. Zum Schluss folgen noch die neuen Schieferplatten. Ursprünglich waren lediglich Reparaturen an Fenstern, Gesimsen und Giebel der Hochfassade vorgesehen.

Welche Überraschungen das historische Gebäude im zweiten, unteren Abschnitt des Turms, vom Vorsprung bis zum Gebäudedach inklusive des Spitzgiebels, bereithält, ist noch unklar. „Wir sind aber froh, so ein erfahrenes Team von Industriekletterern zu haben“, betont Schneider. Denn durch die mittige Lage des Turms ist eine Sanierung gar nicht so einfach.

Zunächst noch zu Fuß hat das Team Materialien durch die schmalen Treppen im Dachstuhl und Turm nach oben gebracht. Doch das ist zu zeit- und kraftintensiv. Seile werden gespannt, sodass über den hinteren Parkplatz die Materialien hochgezogen werden können.
Was den Handwerker aber mehr zu schaffen macht, ist die Hitze und Sonne in den vergangenen Tagen. Durch die Reflektion der Schiefer könne es schon mal gut 50 Grad und mehr werden, die auf die Kletterer einwirken, erklärt HCI-Chef und gelernter Dachdecker Kevin Hotton. Ganz schön schweißtreibende Arbeit.

Quelle: Foto: Mazzalupi

Dennoch liebt er seinen besonderen Beruf. Mit dem Team aus Festangestellten und freien Mitarbeitern, von denen jeder über eine handwerkliche Ausbildung verfügt, ist er nicht nur bundesweit, sondern auch weltweit an den verschiedensten Bauten zu jeder Jahreszeit aktiv, um Reparaturen, Inspektionen, Malerarbeiten oder auch Reinigungsarbeiten durchzuführen. Das höchste Gebäude für ihn bisher: 400 Meter. „Jeder Tag ist anders. Man hat viel Abwechslung und lernt viele unterschiedliche Menschen und Orte kennen“, erklärt er. „Und man kommt an Stellen, an die so sonst fast nie einer hinkommt“, ergänzt Tischler Sascha Rempe, der seit vier Jahre in luftigen Höhen arbeitet. Seinen Traum, einmal oben auf einer Windkraftanlage zu sein, hat er sich so erfüllen können, schwärmt er.
Und man findet immer wieder spannenden Dinge an den entlegensten Orten. Auf dem Rathausturm etwa eine Schieferplatte, auf der sich ein Kollege 1988 verewigt hat. Solange ist die letzte Sanierung auch her. Die älteste Platte, die Hotton bisher am Turm gefunden hat, ist von 1974.
Der Wuppertaler Rempe ist froh, einmal einen so nahen Einsatzort zu haben, erzählt er lachend, während er locker aus dem Fenster des Rathausturmes in den Seilen hängt. Was so leicht aussieht, ist aber nicht zu unterschätzen. Vorsicht ist immer geboten. Ein Trägerseil und ein Sicherheitsseil sowie das professionelle Klettergeschirr sorgen für die nötige Sicherheit. Jeder Industriekletterer hat sein eigenes Equipment.
Worauf man zu achten hat, lernt man in den nötigen Fortbildungen, die für den Job als Industriekletterer unabdingbar sind. Da im Prinzip alle alle Arbeiten machen müssen, muss ein Kletterer auch fit in fast allen Gewerken sein, erklärt Kevin Hotton.

Bildquellen

  • Tischler Sascha Rempe bearbeitet das Gesims.: Foto: Mazzalupi
  • Arbeiten mit Ausblick. Schwindelfrei sollte man sein.: Foto: Mazzalupi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.