Ein Brasilianer will Deutschland „Futsal“ lehren

Ein Brasilianer will Deutschland „Futsal“ lehren
Julio de Santana ist auf der Suche nach fußballbegeisterten jungen Männern und Frauen, die Lust haben, in der Halle zu kicken und langfristig Teams für den regulären Futsal-Ligabetrieb gründen wollen. Die Fußballvariante, sagt der 33-Jährige, kann auch als gestandener Erwachsener gespielt werden. Star-Fußballer wie Ronaldinho, Messi und Neymar fanden ihre Anfänge als Futsal-Spieler.

Während Kinder im Bergischen sprichwörtlich mit einem Regenschirm geboren werden, tun es Kinder in Brasilien offenkundig wohl mit einem Ball unterm Arm: Im südamerikanischen Land ist Fußball Nationalsport. Das liegt auch daran, dass bereits die Jüngsten in der Schule mit einer besonderen Variante in Kontakt gebracht werden, nämlich dem „Futsal“.

Neue Teams gesucht
So wie auch der 33-jährige Julio de Santana: Der gebürtige Brasilianer lebt seit 17 Jahren in Deutschland und ist in Lüttringhausen heimisch geworden. Die Liebe zum Fußball wurde ihm in die Wiege gelegt. Besondere Leidenschaft hegt er zum Futsal, einer vom Weltfußballverband Fifa anerkannten Variante des Hallenfußballs. „Das Außergewöhnliche beim Futsal ist, dass sich nicht nur die 18- bis 19-Jährigen angesprochen fühlen, sondern, dass auch etwas Ältere ab über 30 hier Spaß haben und mithalten können“, beschreibt de Santana. Ein weiterer Vorteil: „Futsal kann zu jeder Jahreszeit und wetterunabhängig gespielt werden.“

Beim Futsal stehen sich zwei Teams mit je fünf Spieler in der Halle gegenüber. Gespielt wird auf Handballtore. Abgegrenzt wird das Spielfeld nicht, wie üblich, über Banden, sondern durch die Linien des Handballfeldes. Die Spielzeit beträgt zweimal 20 Minuten. „Besonders ist auch, dass die ganze Zeit ausgewechselt werden kann, ohne das Spiel zu unterbrechen“, erklärt der Brasilianer. Der fliegende Wechsel sorgt so für unbegrenzte, frische Energie und jeder Menge Spielspaß, weil die Partie auf dem überschaubaren Feld nicht jedes Mal angehalten werden muss.
Durch den begrenzten Platz, sagt Julio de Santana, werde auch ein trickreicheres Spielen geschult. Denn um den Gegnern den Ball auf kurzer Distanz abzuluchsen oder sich durch die vergleichsweise kleine Halle an den Gegenspielern durchzuschlängeln, bedarf es Ballgefühl. „Große Weltfußballer wie Ronaldinho, Cristiano Ronaldo, Messi oder Neymar stammen ursprünglich aus dem Futsal“, bemerkt de Santana, der kürzlich in Radevormwald beim TV Herbeck eine neue Futsal-Abteilung gegründet und sein Team für den Ligabetrieb angemeldet hat.

Auch in seiner Wahlheimat und in Lennep hatte er sich in Vereinen umgehört, ob Interesse an einer Futsal-Abteilung bestünde. „Ich habe den Kontakt nach Hackenberg und zum FC Remscheid gesucht“, berichtet der Lüttringhauser. Doch leider erhielt er keine positiven Rückmeldungen. An fehlendem Interesse, glaubt der 33-Jährige, liegt es wahrscheinlich nicht. Eher daran, dass Hallenzeiten in Remscheid sehr knapp sind. Und eine Halle ist für Futsal unerlässlich.

Die Hoffnung, auch vor Ort weitere Teams zur Gründung zu bewegen, gibt er trotz seiner aktuellen Beschäftigung beim TV Herbeck nicht auf. In kürzester Zeit haben sich im Radevormwalder Verein zehn Spieler gefunden. Um kurzfristige Ausfälle aufzufangen, würde er sein Team gerne auf 15 Spieler aufstocken.

Sein Wunsch bleibt es, die in Deutschland noch eher unbekannte Sportart zu etablieren und in der Region mehr Menschen für diese Fußballvariante zu begeistern. „Es wäre super, wenn sich mehr Teams bilden würden, gegen die man dann spielen kann.“

Der TV Herbeck ist in der Niederrheinliga eingebunden und wird in der kommenden Saison unter anderem gegen etablierte Futsal-Teams aus Mönchengladbach, Duisburg und Kleve antreten.

In zwei Jahren, sofern die Corona-Pandemie abflacht, findet die Futsal-Europameisterschaft in den Niederlanden statt. Die Qualifikationsspiele dafür laufen bereits. Auch Deutschland ist dabei. Die Konkurrenz, sagt Fachmann Julio de Santana, sei in Deutschland aber im Vergleich zu großen Futsal-Nationen wie Brasilien, Uruguay, Spanien oder Portugal, eher gering. Mit seinen Bemühungen will Julio de Santana auf lange Sicht Fußball-Deutschland auch im Futsal konkurrenzfähig machen.

Es wäre doch super, sagt der Brasilianer dann freudig, wenn Deutschland sich nicht nur viermaliger Fußball-Weltmeister nennen könnte, sondern eben auch in der Halle, auf kleiner Fläche mit viel Geschick, auf dem obersten Treppchen wiederfinden könnte.

Gut zu wissen
Wer in die Sportart hineinschnuppern oder sich weiter informieren will, kann sich bei Julio de Santana melden. Er unterstützt auch andere Teams in der Gründung oder berät Vereine. Zu erreichen ist de Santana telefonisch unter 01 52 – 37 35 78 54.

Bildquellen

  • Julio de Santana: Foto: privat

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