LLA 08-2026 Nonprint vom 19. 02. 2026
Goldenberger Kirche ist kein Gotteshaus mehr
Die Goldenberger Kirche mit ihrem charakteristischen Satteldach und dem kleinen Turm – seit Anfang Februar kein Gotteshaus mehr.
Foto: bl
Gut 70 Jahre nach ihrer feierlichen Indienstnahme am 2. April 1955 ist die Goldenberger Kirche in Lüttringhausen „entwidmet“ worden, das heißt: Sie ist keine Stätte für Gottesdienste der Evangelischen Kirchengemeinde Lüttringhausen mehr. Was mit der nunmehr weltlichen Immobilie wird, ist noch nicht entschieden. Abgerissen werden soll das Gebäude jedenfalls nicht.
Von Bernward Lamerz
Etwas abseits am Goldenberger Kirchweg im Lüttringhauser Ortsteil Goldenberg steht die Kirche und reckt ihren kleinen Turm auf dem Satteldach mit dem Kreuz in den Himmel. Für viele Menschen, die am Goldenberg leben oder aufgewachsen sind, ist sie Erinnerungsraum und Wegmarke für Lebensstationen: Taufen, Konfirmationen, Einschulung in die Grundschule Goldenberg, Trauungen, Trauerfeiern. Diese sakrale Existenz der Kirche ist nun Geschichte. Mit einem sogenannten Entwidmungsgottesdient wurde Anfang Februar der formale kirchenrechtliche Schritt vollzogen, sie nicht länger als Gottesdienststätte zu führen. Die Goldenberger Kirche ist also kein Gotteshaus mehr.
Ein bewegender Abschied
„Entwidmung“ ist im evangelischen Kirchenrecht ein inhaltlich tiefgreifender Akt. Er ist die offizielle Aufhebung der bisherigen Zweckbestimmung eines Gebäudes als Ort regelmäßiger Gottesdienste, gewissermaßen die kirchliche „Außerdienstnahme“ einer Gottesdienststätte. Der Entwidmungsgottesdienst ist dabei ein Ritual des Übergangs, das Raum gibt für Dank, Rückschau und Abschied und auch den Blick nach vorn. Die Lüttringhauser Pfarrerin Kristiane Voll hat den Entwidmungsgottesdienst zusammen mit Pfarrer Jens Eichner gehalten. Für den Kirchenkreis vollzog Eichner die Entwidmung offiziell. „Das war schon sehr, sehr traurig“, beschreibt Kristiane Voll die Stimmung. Viele Menschen waren gekommen, es gab Musik vom Kirchenmusiker Martin Storbeck und dem Lüttringhauser Posaunenchor. Und jede Menge Gespräche, in denen große Dankbarkeit spürbar geworden sei.Die Geschichte der Kirche Goldenberg ist die Geschichte eines evangelischen Aufbruchs nach dem Krieg: In den 1950er Jahren legte die Gemeinde den Grundstein für ein Ensemble aus Kirche, Gemeinderäumen und Kindergarten. Am 2. April 1955 wurde die Kirche feierlich in Dienst genommen Sieben Jahrzehnte lang war der Standort Goldenberg der evangelischen Gemeinde ein kleines Zentrum. Doch was damals als Zukunftsinvestition entstand, steht heute unter dem Druck veränderter Wirklichkeit: sinkende Mitgliederzahlen, steigende Anforderungen, knapper werdende Mittel. Die Gemeinde geht mit diesem Wandel offen um und hat auch bereits Konsequenzen gezogen: Die Kita Goldenberg wurde schon zum 1. August 2024 aufgegeben, weil kleine Einrichtungen personell und finanziell nicht mehr auskömmlich zu betreiben sind. Die letzten regulären Gottesdienste in der Goldenberger Kirche fanden zu Weihnachten 2024 statt.
Mit der Entwidmung der Kirche stellt sich zwangsläufig die Frage nach der Zukunft des Gebäudes. „Was wird, das weiß man überhaupt noch nicht“, sagt Kristiane Voll. Es gibt diverse Szenarien, die vielerorts bei ehemaligen Kirchengebäuden diskutiert werden: Verkauf an einen Investor, Umnutzung zu einem Kultur- oder Veranstaltungsort, Umbau zu Wohnungen, Büros oder sozialer Infrastruktur – vieles ist denkbar, bei weitem nicht alles ist in Goldenberg wegen der Rahmenbedingen möglich. Die Herausforderung ist also, wie der Übergang des bisherigen Gotteshauses in die reine Weltlichkeit gelingt. „Das wird ein eher längerer Prozess“, sagt Pfarrerin Voll. Ein Prozess, für den die Entwidmung formal die Voraussetzung geschaffen hat. Wie findet die Gemeinde eine Nachnutzung, die pragmatisch ist und zugleich respektvoll gegenüber dem, was hier 70 Jahre lang war? Ein Abriss des Gebäudes kommt offenbar nicht infrage. Die Menschen hoffen auf eine Zukunft, die dem Ort seine Würde lässt. Und sie wollen lieber ein lebendiges Haus mit neuer Nutzung, als einen leeren, kalten Raum, der langsam verfällt.

Beim Entwidmungsgottesdienst Anfang Februar nahmen viele Gemeindemitglieder Abschied von „ihrer“ Kirche am Goldenberg. Pfarrerin Kristiane Voll und Pfarrer Jens Eichner vollzogen den kirchenrechtlichen Akt.
Foto: Marc Brüninghaus
Sakrale Gegenstände umgezogen – das Kreuz bleibt
Die sakralen Gegenstände aus der Kirche Goldenberg sind nach der Entwidmung in einer Schutzkiste in das Gemeindezentrum im Lüttringhauser Ortskern umgezogen: die Kerzenleuchter und die Abendmahlgeräte, die Bibel, die immer auf dem Altar lag, auch das Bibel-Exemplar, dass der damalige Bundespräsident Theodor Heuss anlässlich der Indienstnahme der Kirche stiftete. Bloß das Kreuz ist nicht so recht transportabel. Es strahlt nämlich rot in dem Kirchenfenster hinter dem Altar.
Der Schaukasten neben der Kirchentür für die Informationen aus der Gemeinde ist längst leer, daneben hängt aber noch ein Transparent mit der Aufschrift „Weil Hoffnung alles verändert“. So reckt die Goldenberger Kirche weiter das goldene Kreuz auf dem Dachreiter in den Himmel