LLA 36-2026 Nonprint vom 03. 09. 2026
Autos raus aus der Lenneper Altstadt?
Andreas Huth vom Fachdienst Stadtentwicklung, Verkehrs-und Bauleitplanung der Stadt in der Lenneper Altstadt. Foto: bl
Die Frage, ob der historische Stadtkern von Lennep weitgehend autofrei sein soll, beschäftigt den Stadtteil seit Jahrzehnten. Nun soll sie erneut in einer Verkehrskonferenz diskutiert werden. Die alte Kontroverse um mehr Aufenthaltsqualität und ihren verkehrstechnischen Preis lebt wieder auf.
Von Bernward Lamerz
Wer über den Alten Markt und durch die engen Gassen der Lenneper Altstadt schlendert, erlebt den Gegensatz hautnah. Auf der einen Seite steht eines der dichtesten historischen Stadtbilder des Bergischen Landes: Fachwerk- und Schieferhäuser, kleine Plätze, Gastronomie und verwinkelte Gassen. Auf der anderen Seite gehören fahrende und geparkte Autos weiterhin selbstverständlich zum Bild. Formal ist die Altstadt bereits ein verkehrsberuhigter Bereich. Es gilt für den historischen Kern Schrittgeschwindigkeit, geparkt werden darf auf gekennzeichneten Flächen. Aber weil die mittelalterlich geprägte Straßenstruktur wenig Platz bietet, konkurrieren Fußgänger, Außengastronomie, fließender und ruhender Verkehr – zumal dann, wenn die geltenden Regeln missachtet werden – um einen ausgesprochen knappen öffentlichen Raum.
Gastronomie statt Einzelhandel: Die Altstadt hat sich gewandelt
Neu ist der Streit keineswegs. Schon in den 1980er Jahren gab es Versuche, den Autoverkehr aus der Altstadt zurückzudrängen. Vertreter des örtlichen Einzelhandels verwiesen später darauf, die damalige Verkehrsregelung habe zum Niedergang von Geschäften beigetragen. Als 2017 beim Marketingverein Lennep Offensiv erneut über das Thema gesprochen wurde, lehnte dessen damaliger Vorsitzender Thomas Schmittkamp eine autofreie Altstadt deshalb ab. Auch 2020 prallten bei Lennep Offensiv die bekannten Positionen aufeinander. Während Befürworter davon sprachen, Kaffee oder Pizza ohne Autos und Abgase genießen zu können, warnten andere davor, einen ohnehin schwierigen Einzelhandelsstandort zusätzlich von seinen Kunden abzuschneiden. Die Altstadt ist heute weniger klassischer Einkaufsort als früher. Gastronomie (häufig mit Außenbereich), Wohnen, Kultur, Veranstaltungen und touristische Qualitäten spielen eine viel größere Rolle. Zugleich sind Leerstände und Sanierungsbedarf sichtbar. Bezirksbürgermeister Markus Kötter (CDU) plädiert deshalb für eine temporäre Lösung in dem Dauerkonflikt: Von Samstagmittag (nach Ladenschluss) bis Montagfrüh soll die Altstadt vollständig autofrei sein (Ausnahmen natürlich für Anwohner und dergleichen). So ließen sich nach seiner Auffassung die Interessen des Einzelhandels mit denen der Gastronomie und einer höheren Aufenthaltsqualität verbinden. Und man könne Erfahrungen sammeln. Technisch könnte eine solche flexible Regelung beispielsweise durch versenkbare Poller an den Zufahrten umgesetzt werden. Für deren Finanzierung wären nach Angaben der Verwaltung Mittel der Städtebauförderung denkbar.

Markus Kötter, Lenneper Bezirksbürgermeister in den Gassen der Lenneper Altstadt. Foto: CDU Remscheid
Kötters Vorschlag: Autofrei am Wochenende
Kötter wird beim Thema „autofreie Altstadt“ langsam ungeduldig. Bereits in der vergangenen Legislaturperiode und auch in der laufenden habe die Bezirksvertretung Lennep beschlossen, dass in einer öffentlichen Verkehrskonferenz all die Aspekte rund um die Altstadt mit sämtlichen Beteiligten und Betroffenen besprochen werden sollen. Passiert sei bislang nichts.
Andreas Huth vom zuständigen Fachdienst Stadtentwicklung der Stadtverwaltung begründet die Verzögerung bedauernd mit Personalengpässen. Die seien aber jetzt behoben. Ein externes Beratungsbüro soll den „Runden Tisch“ moderieren und die Diskussionsbeiträge zusammenfassen, gewichten und als Vorschläge zum Beschluss in den politischen Gremien aufbereiten. Das Projekt werde jetzt ausgeschrieben. „Anfang 2027“, so sagt Huth vorsichtig voraus, könne die Verkehrskonferenz dann stattfinden.
Externe Moderation soll den Konflikt entschärfen
Mit solch einem extern moderierten Diskussionsformat, das natürlich Zeit und Geld kostet, habe man nicht zuletzt in Lennep gute Erfahrungen gemacht, sagt Huth. Das sei auch besser, als wenn die Stadt den Ideen- und Argumente-Austausch als unmittelbar Beteiligte selbst moderieren würde. Denn bekanntermaßen spiele ja die Remscheider Verwaltung aus Lenneper Sicht „nicht immer eine positive Rolle“. So hofft Huth denn auf eine ertragreiche Veranstaltung. „Wenn alle nochmal gehört worden sind, lässt sich die letztendliche Entscheidung besser vertreten, sie wird besser verstanden.“ Huth ist zuversichtlich, denn: „Die Öffentlichkeit in Lennep ist engagiert. Da muss man nicht um Wortmeldungen betteln.“
Das Outlet-Center soll kein Grund zum Warten sein
Stadtentwickler Huth und Bezirksbürgermeister Kötter sind übrigens einig, dass die aktuelle Verkehrskonferenz unabhängig von dem in unmittelbarer Nachbarschaft zum historischen Stadtkern geplanten Designer-Outlet-Center (DOC) stattfinden müsse. Darauf dürfe man nicht warten, es müsse jetzt etwas geschehen. Der Konflikt zwischen Autoverkehr und Erreichbarkeit auf der einen Seite und Aufenthaltsqualität in historischem Ambiente auf der anderen sei ja lange genug da. Und wenn das DOC dereinst tatsächlich neue Besuchermassen in die Gassen spüle, dann sei das Thema „Autoverkehr in der Altstadt“ ohnehin erledigt.