Die Geschichte des Muttertags: Von der Frauenbewegung zum Familientag

Die Geschichte des Muttertags: Von der Frauenbewegung zum Familientag

Dieses Geschenk bekam ich vor 20 Jahren von meiner Tochter, seitdem liegt es bei mir auf dem Schreibtisch.   Foto : LLA

Jedes Jahr im Mai steht er fest im Kalender: der Muttertag. Für die einen ein willkommener Anlass,
der eigenen Mutter Danke zu sagen, für andere ein kommerzieller Feiertag, erfunden von der Blumenindustrie. Doch die wahre Geschichte des Muttertags ist weit vielschichtiger – und reicht bis in die Antike zurück.

Von Katja Weinheimer

Schon in der Antike feierten die Hellenen ein Fest zu Ehren der Göttermutter Rhea. Auch im England des 17. Jahrhunderts gab es den sogenannten „Mothering Sunday“, an dem Dienstboten frei bekamen, um ihre Mütter zu besuchen. Diese frühen Formen waren jedoch religiös geprägt und unterschieden sich deutlich vom heutigen Muttertag.

Der moderne Muttertag hat seinen Ursprung in den USA. Die Frauenrechtlerin Ann Maria Reeves Jarvis organisierte bereits in den 1850er-Jahren sogenannte „Mothers‘ Day Work Clubs“, die sich für bessere hygienische Bedingungen und gegen Kindersterblichkeit einsetzten. Ihre Tochter Anna Jarvis gilt als eigentliche Begründerin des heutigen Feiertags. Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 1905 setzte sie sich dafür ein, einen nationalen Ehrentag für Mütter einzuführen. Am 12. Mai 1907 veranstaltete sie die erste offizielle Muttertagsfeier in einer Kirche in West Virginia. Ihr unermüdlicher Einsatz führte schließlich dazu, dass Präsident Woodrow Wilson 1914 den zweiten Sonntag im Mai zum nationalen Feiertag erklärte.

Ironisch: Anna Jarvis selbst wandte sich später vehement gegen die Kommerzialisierung „ihres“ Tages und kämpfte bis zu ihrem Tod gegen die Vereinnahmung durch Blumen- und Süßwarenindustrie.

Der Muttertag in Deutschland

Nach Deutschland kam der Muttertag in den 1920er-Jahren, eingeführt tatsächlich vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber. 1923 fand der erste deutsche Muttertag statt. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Tag ideologisch vereinnahmt: Ab 1933 wurde er zum öffentlichen Feiertag erklärt, und ab 1939 verlieh das Regime das „Mutterkreuz“ an kinderreiche Frauen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg distanzierte man sich von dieser Instrumentalisierung. Der Muttertag blieb zwar als Tradition erhalten, wurde aber nie wieder gesetzlicher Feiertag. Heute wird er in Deutschland am zweiten Sonntag im Mai gefeiert, ganz im Zeichen der Familie und ohne politische Aufladung.

Muttertag weltweit

Rund 80 Länder feiern den Muttertag, doch nicht überall am selben Datum:

• Großbritannien begeht den „Mothering Sunday“ am vierten Fastensonntag, also im März.

• In Norwegen fällt der Muttertag auf den zweiten Sonntag im Februar.

• Äthiopien feiert ein mehrtägiges Fest namens „Antrosht“ im Herbst, bei dem Töchter und Söhne zu ihren Familien reisen.

• In Thailand wird der Muttertag am 12. August begangen – dem Geburtstag der verstorbenen Königin Sirikit.

Die Bräuche variieren ebenso: Während in Deutschland Blumen und Frühstück ans Bett dominieren, schenkt man in Mexiko Ständchen, und in Japan sind rote Nelken das traditionelle Symbol.

Und der Muttertag bei uns: Feiern, Schenken, Danke sagen

In diesem Jahr ist es am 10. Mai wieder so weit: Unser Muttertag, ein Tag, der in vielen Familien feste Tradition hat. Wie verbringen die Familien im bergischen Land, in unserer Region den Ehrentag für die Mutter.

In Lüttringhausen, Lennep und rundherum in der schönen heimatlichen Umgebung lassen sich viele Möglichkeiten finden, den Tag besonders zu gestalten. Ob ein entspannter Spaziergang durch die schmucken Stadtteile, ein Besuch im nahegelegenen Café, Picknick am Stausee oder ein selbst zubereitetes Frühstück – es sind oft die kleinen Gesten, die zählen.

Der klassische Blumenstrauß bleibt beliebt, doch immer mehr Familien setzen auf persönliche Geschenke. Ein selbst gestaltetes Fotobuch mit Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, ein handgeschriebener Brief oder ein „Zeit-Gutschein“ für einen gemeinsamen Ausflug, all das zeigt Wertschätzung jenseits des materiellen Wertes.

Auch praktische Ideen kommen gut an: Eine persönliche Teemischung, selbstgemachte Kosmetik oder ein Gutschein für ein gemeinsames Essen im Lieblingsrestaurant. Wer es klassisch mag, liegt mit Blumen nach wie vor richtig. 

Gemeinsame Zeit als wertvollstes Geschenk

Gerade für berufstätige Familien bietet der Muttertag eine willkommene Gelegenheit, innezuhalten. Ein Brunch mit der ganzen Familie, ein Ausflug in die Natur oder einfach ein paar Stunden ohne Alltagshektik – das bleibt oft länger in Erinnerung als jedes gekaufte Präsent.

Für Kinder bieten Schulen und Kindergärten häufig Bastelaktionen an, bei denen liebevolle Karten oder kleine Kunstwerke entstehen. Diese selbstgemacJten Geschenke gehören für viele Mütter zu den schönsten Überraschungen des Tages.

Trotz aller Kritik an der wirtschaftlichen Vereinnahmung bleibt der Kern des Muttertags bestehen: ein Tag der Wertschätzung. Ob mit Blumenstrauß, selbstgebastelter Karte oder gemeinsamer Zeit – im Mittelpunkt steht die Botschaft, dass Mütter etwas Besonderes sind. Das wusste schon Anna Jarvis, auch wenn sie sich das heutige Ausmaß wohl kaum hätte vorstellen können.

Allen Müttern, hier im bergischen Land und überall auf der Welt wünschen wir einen wunderschönen Muttertag!