Mit einer ebenso persönlichen wie literarischen Lesung begeisterte die in Lüttringhausen aufgewachsene Schauspielerin ChrisTine Urspruch ihr Publikum im CVJM-Haus.
Unter dem Titel „Vom Weben und Leben“ spannte sie den Bogen von Gedichten und Geschichten
bis hin zu bewegenden Erinnerungen an ihre Kindheit und ihren Vater.
Von Sabine Naber
Am lang anhaltenden, herzlichen Applaus, der ChrisTine Urspruch schon bei ihrem Gang durch den gut besuchten Saal im CVJM-Haus begleitete war klar: Für die in Lüttringhausen aufgewachsene Schauspielerin ist dieser Abend ein Heimspiel. „Ich habe mich über die Einladung sehr gefreut. Denn ich bin ja hier in der Jungschar gewesen. Und heute sind auch meine beiden Schwestern und meine Mama dabei“, sagte sie. Und es war nicht zu übersehen, wie sehr sie das freute.
Humorvoll, nachdenklich und sehr persönlich
„Vom Weben und Leben“ hatte sie ihre Lesung überschrieben. „Und das passt auch, denn ich bin eine Weberstochter und lebe“, meinte sie lächelnd. Ausgesucht für ihr unterhaltsames Programm hatte sie spaßige und nachdenklich machende Geschichten, Balladen, Gedichte oder auch Geschichtliches. Los ging es mit dem Gedicht „An die Sonne“ von Ingeborg Bachmann, in dem es um das Licht, die Schönheit der Natur und die Liebe geht. Humorvoll ging es mit der „Schildkröte Pia Maria“ von James Krüss weiter.
Denn sie lebt seit vergangenem Mai am Strande von Santa Lucia, und nähte unter anderem „mit Nadel und Schere ein herrliches Seekuh-Gewand“. Berührend die Geschichte von „Ole und Trufa“ der Autorin Gertrud Baruch. „Eine Geschichte, die ich sonst zu meinen Weihnachtslesungen mitbringe. Aber Weihnachten kommt ja bestimmt. Und die Geschichte ist wunderschön“, befand ChrisTine Urspruch. Erzählt wird von zwei Blättern, die als einzige noch am Baum hängen. Und sich sicher sind: „Wenn du abfällst, will ich mit dir gehen.“ Auch von der „Lady of Shalott“ erzählte sie. „Das Bild von ihr habe ich in einem Museum in London entdeckt, gleich dann den Gedichtband gekauft. Und parallel dazu in Bonn die Ophelia gespielt“, erzählt CrisTine Urspruch, die seit mehr als 20 Jahren auch Teil des beliebten Münster-Tatort als Gerichtsmedizinerin Silke „Alberich“ Haller neben Jan Josef Liefers und Axel Prahl im TV zu sehen ist.
Am Ende präsentierte sie eine selbst geschriebene Geschichte über ihren Vater: „Er war Bandweber von Beruf. Und der Betrieb, den wir alle nur Shed nannten, war gleich an mein Elternhaus gebaut worden. Es sei dort höllisch laut gewesen, wenn die Webstühle „Pünktchen“, „Anton“ und „Öle“ in Betrieb gingen. „Die beiden ersten Namen stammten aus Kästners gleichnamigem Buch und Öle war der Spitzname meines Papas“. Auch sei der Shed zum Rollschuhlaufen und Kettcar fahren gut gewesen. Ihr Papa sei auch gut im Knöstern gewesen, habe eine Abspulmaschine gebaut. „Wenn ich in den Ferien daran gearbeitet habe, dann konnte ich mein Taschengeld aufbessern.“ Als sie den Führerschein gemacht hatte, da habe ihr der Papa einen schwarzen Fiat Panda spendiert: „Mit der Auflage, einmal in der Woche Ware für ihn auszuliefern.“
Als die Jubelrufe, der Applaus verklungen waren, da bedankte sich auch die Protagonistin: „Es war eine Ehre für mich, dass sie mir so aufmerksam zugehört haben.“ Im anschließenden Gespräch mit dem Publikum gab sie dann noch augenzwinkernd zu, dass sie nicht immer nur die Gute, sondern auch mal eine Bösewichtin“ spielen würde.
Foto: Naber
