Lüttringhauser Anzeiger

Röntgens Wurzeln im Bergischen

Historiker Jörg Holtschneider hat die Familiengeschichte des X-Strahlen-Entdeckers aufgearbeitet. Die Ergebnisse kann man in einer limitierten Broschüre nachlesen.

Das Deutsche Röntgen-Museum hat diese Woche eine neue Broschüre über die größtenteils unbekannte Familiengeschichte des großen Lenneper Entdeckers herausgebracht. Darin beleuchtet Historiker Jörg Holtschneider den urbergischen Stammbaum Wilhelm Conrad Röntgens, der auch ein wertvolles Stück Lenneper Stadtgeschichte widerspiegelt.

Ein Stück Stadtgeschichte
Es gibt unzählige Publikationen über den ersten Physik-Nobelpreisträger und den nach ihm benannten Strahlen: wissenschaftliche Bücher, teils historische Werke. Doch über seine Familie und seine Wurzeln erfährt der Leser im Vergleich dort wenig bis gar nichts, sagt Dr. Uwe Busch. Das wurmte den Museumsleiter schon lange, vor allem immer dann, wenn die Kollegen aus Würzburg, Lenneps bekanntesten Sohn für sich beanspruchten, weil er dort zehn Jahre an der Universität lehrte.

In der Tuchmacherstadt dagegen wurde Röntgen zwar geboren, zog aber 1848, im Alter von drei Jahren, mit der Familie in die Niederlande. Ja, der große Entdecker verbrachte vergleichsweise wenig Zeit im Bergischen, allerdings – und das zeigt nun die von Holtschneider zusammengetragene Familiengeschichte – waren seine Vorfahren über sechs Generationen lang, seit Mitte des 17. Jahrhunderts, fest im Bergischen verwurzelt. „Die zehn Jahre in Würzburg können wir also toppen“, freut sich Busch, der nun ankündigte, den Kollegen in Würzburg ein Exemplar der 22-seitigen Broschüre zukommen zu lassen.

Inhaltlich hat sich der beauftragte Historiker schon seit vielen Jahren mit den Wurzeln Wilhelm Conrad Röntgens beschäftigt, erzählt er. Vieles habe er in anderen Publikationen gefunden, aber bislang gab es noch keine Veröffentlichung, in der die Familiengeschichte Röntgens aufgearbeitet wurde. Der Ursprung der Röntgens, sagt Holtschneider, sei irgendwo in Dabringhausen und beginnt mit Engel Röntgen, der als Ackerer und vermutlich auch als Hausweber arbeitete.

Sein Sohn Johann Mathias Röntgen, ein Tuchfabrikant, war der Erste, den es nach Lennep zog – wahrscheinlich aufgrund der wirtschaftlichen Situation der aufstrebenden Stadt. Hier heiratete er mit Anna Josina Moll in eine bekannte Tuchmacherfamilie ein. Röntgens Urgroßeltern, Großeltern und auch sein Vater wurden demnach alle in Lennep geboren. Seine Mutter Charlotte Constanze Frowein, obwohl sie in Amsterdam auf die Welt kam, entstammt ebenfalls einer bekannten Lenneper Tuchfabrikantenfamilie.

Doch die nackten Zahlen und Fakten alleine lassen Holtschneiders Begeisterung nicht entflammen. Es sind die Geschichten, die sich dahinter verbergen, die familiären Ereignisse und Tragödien, die Röntgens Geschichte spannend machen und auch ein Stück Lenneper Stadtgeschichte abzeichnen. „Man erfährt viel über die wirtschaftliche Situation der damaligen Zeit, wie man damals in Lennep lebte und welche bestimmten Krankheiten in der Stadt grassierten.“

Der Wegzug der Familie Röntgen von Lennep in die Niederlande habe mit der Französischen Revolution zu tun, berichtet Holtschneider. Im Nachbarland lebten zu jener Zeit die Verwandten mütterlicherseits. Mit der Auswanderung der Familie aus dem Preußischen Reich wurde Röntgen staatenlos und erlangte erst später, als er die Professur in Würzburg aufnahm, die deutsche Staatsbürgerschaft.

Direkte Nachkommen hatte Wilhelm Conrad Röntgen bekanntermaßen nicht. Seine Ehe mit Anna Bertha Ludwig blieb kinderlos. Dennoch steht das Museum mit lebenden Verwandten Röntgens, die heute in den Niederlanden und in den USA leben, in Kontakt. „Einige Familienmitglieder zog es sogar nach Ost-Indien“, erklärt Holtschneider. „Das wäre sicherlich auch eine interessante Geschichte, die es noch zu erzählen gebe.“

Die Idee zur Aufarbeitung der Familiengeschichte kam dem Museumsleiter im Herbst vergangenen Jahres im Gespräch mit dem Stiftungsratsvorsitzenden der Bürgerstiftung Remscheid, Karl-Heinz Humpert, der sich mit Vereinskollegin und Stiftungsvorsitzenden Kathrin Gilberg daraufhin bereit erklärte, das Projekt finanziell zu unterstützen. Gilberg holte die Werbeagentur sgp mit ins Boot, die sich um das Layout kümmerte und dem Projekt auch finanziell entgegenkam. Die Stadt Remscheid legte das Geld für die Druckkosten dazu. Die Freunde und Förderer des Röntgen-Museums haben das Honorar des Historikers übernommen.

Insgesamt entstanden sind 1000 Exemplare, die es nun im Museumsshop für kleines Geld zu erwerben gibt. Demnächst ist das Heft wohl auch im Geburtshaus sowie beim Stadtmarketing erhältlich.

Bildquellen

  • Karl-Heinz Humpert, Jörg Holtschneider, Martin Meyer (stehend, v.l.), Kathrin Gilberg und Dr. Uwe Busch (sitzend, v.l.) stellten die neue Broschüre vor.: Foto: Cristina Segovia-Buendìa