Lüttringhauser Anzeiger

„Komm klar“ ergänzt die „Kleinen Helden“

„Komm klar“ bietet Auszeit und Unterstützung für Jugendliche, deren Eltern psychisch oder suchterkrankt sind, erklären Melanie Clemens (Diakonie), Carsten Heil (Jugendhilfe Bergisches Land), Claudia Günther (Die Welle), Thomas Friedrich-Hett (Psych. Beratungsstelle) und Georg Weber v.l.

VON CRISTINA SEGOVIA-BUENDÍA

Eltern sollten für Kinder der Schutzschild sein, der sie von allem Übel bewahrt: Die Hand, die sie sicher durchs Leben führt, die starke Schulter zum Anlehnen, der Kompass, der ihnen Wege weist, der Pfeiler, der ihnen Halt gibt. Doch manchmal sind Eltern selbst mit ihrem Leben so überfordert, dass sie den Bedürfnissen ihrer Kinder nicht gerecht werden können, weiß Melanie Clemens, Sozialpädagogin und Suchtberaterin der Diakonie im Evangelischen Kirchenkreis Lennep. Doch weil viele Mütter und Väter, die psychische Probleme haben oder suchterkrankt sind, weiterhin liebevoll mit ihrem Nachwuchs umgehen, werden die Kinder entgegen der gängigen Klischees nicht etwa den Familien entrissen. Vielmehr arbeiten ausgebildete Fachleute, Psychologen, Sozialpädagogen, Familientherapeuten und Suchtberater in bekannten Fällen mit Eltern und Kindern zusammen, versuchen Eltern zu stabilisieren und zu unterstützen und den Kindern den nötigen Halt zu geben.

Finanzierung durch Spenden

„Häufig geben sich Kinder selbst die Schuld daran, wenn Mama und Papa krank sind“, sagt Thomas Friedrich-Hett, Psychologe und Familienberater der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Remscheid. Auch die Kleinen bräuchten dann Unterstützung. In Remscheid ist das bislang mit dem Netzwerk „Kleine Helden“ gelungen, in dem viele Einrichtungen zusammenarbeiten und sich gemeinsam für die Kinder von psychisch- und suchterkrankter Eltern stark machen. Ein Vorzeigeprojekt, um das Remscheid von vielen Nachbarkommunen beneidet wird. Nun kehrt das Netzwerk nach der Pandemie mit einem neuen und längst überfälligen Angebot für Jugendliche zurück, die bislang in der Thematik ein wenig außen vor standen. „Die Idee dazu hatten wir schon länger“, verrät Clemens. Nur das nötige Kleingeld für die Finanzierung fehlte und durch Corona die Möglichkeit, sich in größeren Gruppen zu treffen. Finanziert wird die Jugendgruppe „Komm klar“ nun dank vieler Spenden. Start soll ab dem 26. Oktober sein. Zehn Termine stehen den interessierten Jugendlichen dann zur Verfügung, die sich ungezwungen jeden Dienstag von 16 bis 17.30 Uhr in den Räumen des Kultshocks, Stockder Straße 142, treffen. Jeweils eine männliche und eine weibliche Fachkraft betreuen die Gruppe. Doch eine Gruppentherapie soll das Angebot nicht sein, betonen die Macher. „Die Jugendlichen sollen einfach mal ungezwungen miteinander ihre Freizeit genießen und Freundschaften zu Gleichaltrigen in ähnlicher Situation knüpfen können“, sagt Friedrich-Hett. Was sich daraus entwickelt, bleibt offen. „Wenn die Jugendlichen sich uns öffnen und reden wollen, stehen wir bereit“, betont Clemens. Doch in erster Linie soll die Jugendgruppe ein sicherer Hafen sein, wo Jugendliche für ein paar Stunden einfach Jugendliche sein können und geschulte Ansprechpartner finden, sofern sie es wollen.

INFO
Das Angebot ist für die Jugendlichen kostenfrei und wird von dem Netzwerk „Kleine Helden“ getragen. Nähere Infos und Anmeldungen sind telefonisch oder per Mail möglich bei Thomas Friedrich-Hett (0 21 91 16 36 85,  thomas.friedrich-hett@remscheid.de) oder bei Claudia Günther (0152 29 21 40 70, flex.guenther@diewelle.net).

Bildquellen

  • Komm klar: LLA-Foto/segovia