Lüttringhauser Anzeiger

DOC-Konflikt in Lennep: Schauplatz Wupperstraße

Mit einer Menschenkette auf der Wupperstraße protestierten Kritiker gegen deren Verkauf an den Outlet-Investor.
Foto: LLA

Die Wupperstraße in Lennep entwickelt sich zum neuen Brennpunkt des seit Jahren umstrittenen Designer-Outlet-Projekts.
Nach einem Informationsabend mit DOC-Investor Phillip Dommermuth blieben viele Fragen offen.
Und bei einer Menschenkette am vergangenen Wochenende auf der Wupperstraße wurde der Protest der Kritiker sichtbar.

Von Bernward Lamerz

Die Wupperstraße führt zwischen Mühlenstraße und „Am Stadion“ mitten durch das künftige Outlet-Areal. Nach der aktuellen Planung soll eine rund 3500 Quadratmeter große Straßenfläche in das Projektgrundstück einbezogen werden. Dadurch könnten bislang getrennte Flächen verbunden und eine durchgehende Tiefgarage gebaut werden. Stadt und Investor Philipp Dommermuth sehen darin einen wichtigen Baustein der neuen Planung. Kritiker befürchten, dass der historische Stadtteil bei einem der größten Remscheider Stadtentwicklungsprojekte buchstäblich unter die Räder kommt.

Neue Pläne rücken die Altstadt ins Zentrum
Gebaut werden soll nun zunächst unmittelbar an der Lenneper Altstadt und erst anschließend in Richtung des aufgegebenen Röntgenstadions. Damit soll das Outlet enger mit dem historischen Zentrum von Lennep verbunden werden. Doch gerade diese Neuordnung hat die Wupperstraße ins Zentrum der Auseinandersetzung gerückt. Sie soll nach derzeitigem Stand ihre Funktion als durchgehende Verkehrsverbindung verlieren. Für viele Lenneper ist das weit mehr als eine technische Änderung. Die Straße ist eine wichtige Verbindung besonders für den Verkehr aus Richtung Hasenberg und Radevormwald sowie zu den Einkaufsbereichen des Stadtteils.

Auch Projektbefürworter lehnen den Straßenverkauf ab
Der Widerstand kommt nicht nur von traditionellen Outlet-Gegnern. Auch der Verkehrs- und Förderverein Lennep, der das Projekt grundsätzlich unterstützt, lehnt den Wegfall der Wupperstraße als Verkehrsader ab. Vorsitzender Klaus Kreutzer befürchtet Nachteile für die Erreichbarkeit Lenneps und der Lenneper Geschäfte und hat ein Bürgerbegehren angestoßen.
Auch Greenpeace und andere Organisationen organisieren Widerstand gegen den Straßenverkauf. Am vergangenen Samstag beteiligten sich rund 150 Menschen an einer Menschenkette auf der Wupperstraße. Dabei ging es neben der Verkehrsführung um den alten Baumbestand. Für das Outlet müssten nach den beim Informationsabend genannten Zahlen etwa 120 von rund 300 Bäumen im Planungsbereich weichen. Vorgesehen sind Ersatzpflanzungen und begrünte Outlet-Dächer. Zur Menschenkette hatte Klaus Kreutzer auch plakativ seinen historischen „Mecker-Trecker“ aufgefahren.
Beim Verkehr fehlen weiterhin jene Zahlen, auf die viele Bürger seit Monaten warten. Beim großen Informationsabend, zu dem Investor Dommermuth ins Schulzentrum Hackenberg eingeladen hatte, verfolgten mehr als 1600 Menschen die Veranstaltung, ein kleinerer Teil vor Ort, der Löwenanteil bei der Online-Übertragung der Info-Veranstaltung. Investor, Architekt und Gutachter erläuterten den Planungsstand, doch das vollständige Verkehrsgutachten lag noch nicht vor. Konkrete Prognosen über zusätzliche Fahrzeugzahlen und die Belastung einzelner Straßen fehlen deshalb weiterhin. So zeigt sich Klaus Kreutzer denn auch enttäuscht und verärgert von der Veranstaltung mit Investor Dommermuth: „Das war nicht nur desillusionierend, das war eine Katastrophe.“ Keinerlei neue Zahlen oder Erkenntnisse habe es gegeben. Der Zwischenstand der Gutachter basiere auf Erhebungen, die schon der vormalige und gescheiterte Investor McArthurGlen vorgelegt habe. „Was ist denn da noch zu tun, warum dauert das denn so lange?“, fragt Kreutzer.

2300 Stellplätze und 22 Verkehrsknoten im Blick
Bekannt ist bislang: Für das Outlet sind rund 2300 Stellplätze in Tiefgarage und auf dem heutigen Kirmesplatz vorgesehen. Die Verkehrsplaner untersuchen 22 Knotenpunkte in und um Lennep und gehen davon aus, dass an mehreren Stellen Anpassungen nötig werden. Welche Kreuzungen wie umgebaut werden müssen und wie sich der zusätzliche Verkehr verteilt, soll das endgültige Gutachten beantworten. Es wird erst gegen Ende des vierten Quartals erwartet.
Die Stadt möchte das Planungsverfahren deutlich beschleunigen. Nach dem derzeitigen Fahrplan soll im März 2027 die zweite sogenannte Offenlage des Bebauungsplans beschlossen werden; im Juni 2027 könnte der Rat den Satzungsbeschluss fassen und damit Baurecht schaffen. Der Investor hofft, dann mit dem Bau des Outlet-Centers beginnen zu können, von dem sich die Befürworter mit OB Sven Wolf (SPD) an der Spitze große Chance für Remscheid und die Region erhoffen.
Noch ist also weder der Verkauf der Wupperstraße endgültig vollzogen, noch Baurecht geschaffen. Der ursprüngliche Grundstückskaufvertrag zwischen Stadt und Outlet-Gesellschaft muss wegen der geänderten Planung und der Einbeziehung der Wupperstraße angepasst werden.
Die politischen Gremien müssen über das weitere Vorgehen entscheiden. Die entscheidende Frage lautet: Kann ein Outlet dieser Größe so in den Stadtteil eingebaut werden, dass Altstadt, Einzelhandel und Verkehrsnetz profitieren? Oder entstehen neue Belastungen, die sich später kaum korrigieren lassen? Investor Dommermuth rechnet mit 2,6 bis 2,8 Millionen Outlet-Besuchern aus nah und fern pro Jahr. 150 Millionen Euro will er in das Projekt investieren. Und er ist fest entschlossen, es zu realisieren.
Entscheidend werden das Verkehrsgutachten, die Umwelt- und Artenschutzuntersuchungen, die politischen Beratungen über den geänderten Kaufvertrag und die Entwicklung des Bürgerbegehrens sein. Bis dahin bleibt die Wupperstraße der derzeit sichtbarste Schauplatz des DOC-Konflikts.

INFO: Das geplante Designer-Outlet-Center in Lennep umfasst den heutigen Kirmesplatz, das Gelände der ehemaligen Grundschule Am Stadion, das frühere Röntgenstadion und die dazwischenliegenden beziehungsweise angrenzenden Flächen. Nach der neuen Planung kommen rund 3500 Quadratmeter der Wupperstraße hinzu. Das gesamte Planungs-Areal ist sieben Hektar groß. Vorgesehen ist eine reine Verkaufsfläche von etwa 18.000 Quadratmetern.


Seinen „Mecker-Trecker“ hatte Klaus Kreutzer, der Vorsitzende des
Verkehrs- und Fördervereins Lennep, zur Menschenkette mitgebracht.
Foto: LLA

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