Lüttringhauser Anzeiger

Demnächst an einer anderen Orgel

Peter Bonzelet schließt Ende April die Kirchentür in Heilig Kreuz und auch in St. Bonaventura ab. Ab 1. Mai wird er für die Kirchenmusik einer Kölner Kirchengemeinde tätig sein.

VON STEFANIE BONA

Seit über 18 Jahren ist Peter Bonzelet ein Aktivposten der Katholischen Kirchengemeinde St. Bonaventura und Heilig Kreuz, der nur schwer zu ersetzen sein wird. Ende April wird der Kirchenmusiker Remscheid verlassen, um demnächst die Orgel im Kirchengemeindeverband Mauenheim-Niehl-Weidenpesch erklingen zu lassen: Ergo: Den Kölner Bonzelet zieht es zurück an den Rhein. „Es sind noch zehn Jahre bis zur Rente. Diese Zeit möchte ich noch einmal in meiner Heimat verbringen. Und der Zeitraum ist auch gut, um noch einmal etwas Neues anzufangen“, erklärte der 57-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion seine Beweggründe. Dieser Gedanke habe immer mal eine Rolle gespielt, nun habe sich die Gelegenheit dazu ergeben.

Netzwerker nach innen und nach außen

Im Gegensatz zur Tätigkeit in Lennep-Lüttringhausen sei die Kölner Gemeinde noch nicht so von einer Neustrukturierung betroffen, wie die katholischen Gemeinden in Remscheid. Ansonsten sei sein Aufgabenbereich ganz ähnlich wie im Bergischen, auch das Stundenkontingent sei gleich. So kann Peter Bonzelet die Gläubigen und Musikfreunde an seiner neuen Wirkungsstätte durch eine lebendige musikalische Gottesdienstgestaltung und gleichermaßen mit schönen Projekten erfreuen. Davon hat es während seiner Zeit in St. Bonaventura und Heilig Kreuz eine Menge gegeben, an die er gerne zurückdenkt. So hat er ein Karnevalskonzert in der Kirche etabliert, das im Laufe der Zeit enormen Zulauf erfuhr. Es gab unser seiner Leitung Sinfoniekonzerte, viel gelobte und große Musicalaufführung und eine viel beachtete Aufführung von Carl Orffs „Carmina burana“ mit über 300 Mitwirkenden in der katholischen Kirche in Lennep , was wegen des ambivalenten Verhältnisses des Komponisten zum Glauben auch nicht selbstverständlich war. Und Peter Bonzelet traute sich und präsentierte mit seinem Kirchenchor, Orchester und Solisten Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium an den Weihnachtsfeiertagen, ganz so wie es der Tonschöpfer Johann Sebastian Bach ursprünglich auch gedacht hatte. Der Zuspruch der Konzertbesucher gab ihm Recht. „Ich habe hier sehr viele Freiheiten gehabt“, sagt er. Genauso hält er bis heute viele Singfreudige als Chorleiter des Kirchenchores St. Bonaventura und Heilig Kreuz bei der Stange. „Die Chorarbeit habe ich immer besonders geschätzt, einfach, weil ich gerne mit Menschen arbeite“, sagt der fröhliche Rheinländer. Als emsiger Netzwerker ist der Familienvater zudem weit über die eigenen Kirchenmauern hinaus präsent gewesen. Er pflegt gute und enge Kontakte zu den evangelischen Gemeinden, in die gesamte Musikszene in Remscheid und darüber hinaus. Genauso suchte er das Gespräch mit den Vereinen vor Ort. Aus diesem Austausch ging das Offene Singen am vierten Advent hervor, das hunderte von Besucherinnen und Besuchern anzog. Insofern hat Peter Bonzelet innerhalb und außerhalb seiner Kirchengemeinde viele Impulse gesetzt, Neues erprobt und weiterentwickelt. „Ich hoffe, dass das, was ich aufgebaut habe, fortgesetzt wird“, sagt er.

Kirche hat sich verändert

Als Seelsorgebereichsmusiker – damals noch ausschließlich in Lüttringhausen – hat er im Dezember 2005 vor Ort begonnen. „Ich habe mit einer Kirche und einem Pfarrer hier angefangen. Dann gab es die Fusion zwischen Lennep und Lüttringhausen“, erinnert er sich. Und heute ist der pastorale Raum durch den Zusammenschluss mit den katholischen Kirchengemeinden in Alt-Remscheid noch einmal größer. Kirche verändert sich, da ist auch Peter Bonzelet Realist. Damals habe es an einem Wochenende zwischen 800 und 900 Gottesdienstbesucher gegeben, heute ist es ein Bruchteil davon. Corona hat seine Spuren hinterlassen, insgesamt wird die Gesellschaft säkularer und die innerkirchlichen Probleme tragen zu dieser Entwicklung zweifelsohne auch bei. Gleichwohl verliert Peter Bonzelet nicht den Glauben an das, was er tut. Nach einem Theologiestudium wechselte er zur Kirchenmusik, die ihn schon als 16-Jährigen regelmäßig an die Orgel geführt hatte. „Ich hatte immer viel Spaß an der Arbeit, sonst wäre ich sicher nicht so lange hier geblieben.“ Jetzt aber sei Zeit für Neues und das wieder ein bisschen mehr „op kölsch“.

Gut zu wissen

Peter Bonzelet verlässt Remscheid nicht so ganz. Weil seine Frau beruflich in Wuppertal tätig ist und seine Tochter gerade den Schulwechsel aufs Gymnasium hinter sich hat, wird er zunächst weiterhin vor Ort wohnen und nach Köln zu seiner neuen Gemeinde pendeln. Auch als Kreischorleiter und Chorleiter des MC Germania wird er weiterhin den Taktstock schwingen. Zudem wolle er das Kulturleben in Remscheid weiter begleiteten.

Bildquellen

  • Bonzelet, Peter_05.24_bona_5: LLA Foto bona