Von Rio Reiser bis Hannes Wader

Von Rio Reiser bis Hannes Wader

Martin Bauer zu Gast im Café Lichtblick.

Vor eineinhalb Jahren war er schonmal „em Dorp“. Fand es gemütlich, das Publikum im Café Lichtblick in der Gertenbachstraße war gut drauf, er hatte Spaß, spielte und sang zwei Stunden lang alle seine Favoriten zwischen Hannes Wader und Rio Reiser. Und das Lüttringhauser Publikum fand ihn wohl auch schwer in Ordnung, mochte seine Art, die Kompositionen der hauptsächlich deutschen Liedermacher zu interpretieren – und so lud ihn das Café noch einmal ein.

Dufter Typ ausm Ruhrpott

Martin Bauer ist Profi und spielt in diesem Jahr zwischen 120 und 130 Konzerte. Vor Jahren waren es mal 180, aber das wurde ihm dann doch zu viel. Und jünger wird niemand. Da er mittlerweile nur noch sehr selten Konzerte gibt, die mehr als 200 Kilometer von seinem Zuhause entfernt sind, ist die aktuelle Zahl an Konzerten ohne großen Stress zu spielen. Martin Bauer lebt in Herne. Genauer: In Wanne-Eickel. Mehr Ruhrgebiet geht nicht. Und wie ein Liedermacher aus dem Ruhrgebiet gibt er sich auch: kumpelhaft, sympathisch, nicht die Bohne arrogant, geerdet, ein ehrlicher Handwerker, ein dufter Typ.

In seinem Programm „Mit anderen Worten“ treffen sich Klassiker des Genres Singer / Songwriter mit unbekannten Kompositionen von Musikern aus der zweiten oder dritten Reihe. Da darf Hannes Waders „Heute hier, morgen dort“ natürlich nicht fehlen, und das Publikum singt die bekannten Textzeilen gerne mit. Das Lied „Sommer aus Papier“ der Hamburger Liedermacherin Anna Depenbusch dürften wohl die Wenigsten kennen. Es ist auch wenig radiotauglich, qualitativ wohl zu anspruchsvoll. Bauer spielt Stoppoks „Aus dem Beton“ herb und schön, macht aus dem Lichtblick fluggs einen verräucherten Blues-Club im Süden der USA, holt „Sag‘ mir wo die Blumen sind“ (Pete Seeger) heraus – und bei ihm klingt das nicht kitschig -, intoniert das italienische Partisanenlied „Bella Ciao“ (Wader) und trifft sich mit Rio Reiser auf dem Junimond. Und auch die dringende Frage „Können Lüttringhauser schunkeln?“ wird bei „My Bonnie Is Over The Ocean“ im angenehmen 3/4tel zu Bauers Zufriedenheit beantwortet. Sie können. Und wie. Und singen noch dabei. Der Musiker ist begeistert. Publikum gleichermaßen.

Höhepunkt bleibt „Über den Wolken“, diese Halbballade von Reinhard Mey, die durch Bauers erstklassiges Gitarrenspiel zu einem Beinahe-Ragtime wird und irgendwo zwischen Swing, 30er Jahre Lied und Country Musik changiert. Grandios. Darfst jederzeit wiederkommen, Martin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.